Samstag, 5. Mai 2012

Nachtragend...


27.02.09

Heute Nacht befand ich mich auf einem Festival. Einem kleinen, mit Lesungen und Musik. Es fühlte sich an wie Metal und Mittelaltermusik.
Ich war mit Sven dort, was mich schon den ganzen Tag traurig stimmt. Wir hatten uns gerade wieder gefunden, endlich erfüllte sich dieser Wunsch. Dennoch hatte ich ständig angst, er überlegt es sich wieder anders, was er aber bis zum Schluss nicht tat.
Ich fühle mich benommen, könnte den ganzen Tag nur schreien und weinen, bin aber gelähmt. Ich will ihn sehen, fühlen, zum lachen bringen. Leider bin ich aber allein und er irgendwo im Nirgendwo, ganz weit weg von mir.
Ist es gut, wenn man so etwas träumt? Eine Nacht lang hielt ich ihn in meinen Armen und war glücklich, wenn auch ängstlich, aber es fühlte sich so verdammt richtig an. Warm, weich, heimisch, harmonisch und voller Idylle. Alles hat gestimmt in dieser Nacht, denn er war da und mehr schien ich nicht zu brauchen.
Im echten Leben ist das anders, denn im echten Leben wäre ich allergisch gegen diese Musik und im echten Leben wäre ich nie glücklich mit „nur kuscheln“. Eigentlich reichlich dumm und schade.

15:27 Uhr
Fühle mich so leer. Keine Depression, einfach nur eine Tageslaune, hoffe ich. Mein Wochenplan war für die Tonne und ich fühle mich schlecht und ohnmächtig. Eigentlich waren es recht einfache Ziele, die ich mir gesetzt habe, das Highlight jedoch habe ich einfach nicht hin bekommen. Seit Montag mach ich mich deswegen fertig und heute war natürlich der Höhepunkt erreicht. Habe trotzdem einen neuen Plan ausgearbeitet und werde weiter kämpfen.
Mir geht es sehr schlecht, ich fühle mich zerrissen, aufgedunsen, sinnlos, wertlos, stumpf und ich sehne mich nach Sven, obwohl ich doch Romy habe. Das schlechte Gewissen nagt an mir, aber ich bin hilflos. Erwische mich, wie ich Wohnungsanzeigen studiere, klappe sie dann abrupt zu und begreife, dass ich machtlos bin und einfach den falschen Weg gehe, wie schon mein ganzes Leben lang. Bewusst, aber machtlos, weil absolut abhängig.

Abwechselnd stelle ich die Heizung an oder mache das Fenster auf. Ich schwitze und friere, trinke, esse und platze innerlich in tausend Teile, die alle in eine andere Richtung wollen.

Draußen ist es nass und schwül, das ist mir aber egal, ich geh ja eh nicht raus. Mein Kopf sagt mir, ich will dort nie wieder raus, dort gibt es nichts schönes mehr, nur noch gefährliche, böse Dinge und Menschen, die alle taub sein müssen, um das zu ertragen, was da passiert. Krankenwägen mit blutenden, sterbenden Menschen, brennende Wohnungen, Missbrauch, Vergewaltigung, Mord, Gewalt, Dummheit. All das ist da draußen und nicht hier in meiner Welt.
Hier hab ich schützende Wände, mein eigenes Klima, meine eigene Unterhaltung, meine Träume, meinen Teddy. Mir reicht der Kontakt zur Außenwelt durch das Internet.

Würde ich allein leben, wäre ich wohl schon verrottet. Ich glaube aber, ich wäre glücklich gestorben. Hier muss ich mich zusammen reißen, ich brauche die Liebe, die ich kriege und die ist nun mal nicht umsonst. Dafür muss ich so tun, als wäre ich ein Mensch. Einer von denen, die ich niemals sein kann, jedenfalls nicht auf Dauer. Das bin ich nicht, das war ich nie.

Lieber Gott, lass mich leben oder sterben, aber bitte nicht dazwischen herum kriechen. -.-



23:58 Uhr

Wieder sinnloser Streit, wieder diese beklemmende Angst und wieder dieser Drang, alles kaputt zu schlagen. Warum schlage ich nicht einfach alles kaputt? Was habe ich zu verlieren, außer Geld, das ich eh nicht habe, einer Beziehung, einer Familie, einem Heim und meinem Verstand? Ist das zu viel oder ist das zu wenig Einsatz für die Freiheit und deren Ungewissheit?
Wieder muss ich mir meine Hilflosigkeit eingestehen und langsam spüre ich den Brechreiz, der angeregt durch mein ständiges Selbstmitleid den Weg nach draußen sucht.

Wäh. Ich bin zu viel ich.
Ich wäre weniger ich, wenn ich meine Tabletten nehmen würde. Mit denen bin ich so viel “Mensch”, dass ich das Leben ertrage, weil ich es nicht mehr spüre. Ich bin erträglich. Also nicht ich. Leider.
Beschissen, dieses Gefühl, wenn man nur mit diesen Tabletten akzeptiert werden kann. Ich habe quasi die Wahl zwischen dem Chemielächeln oder einem Einsiedlerdasein. Wenn das Bedürfnis nach Liebe und Anerkennung nicht wäre, würde ich wohl schon längst auf einem Berg in einer Hütte leben. Allein versteht sich.

Ich bin recht müde, schon seit um 6 mit Nichtstun absolut überfordert und zu viel in den Monitor gestiert.



20.03.09

Ich steh an meiner Zimmertür und unterhalte mich davor mit jemandem. Plötzlich läuft eine meiner Mäuse gemütlich über die Glasoberfläche der alten Tür, dann eine zweite. Erst bin ich verwirrt, denke ich träume das doch nur, als eine Sekunde später ein roter Kolibri neben den Mäusen mit über die Oberfläche latscht. Ich bin außer mir, denke ich werde verrückt und will nun selbst nach dem rechten sehen. Ich öffne die Tür und überall sind frei laufende Tiere. Klitzekleine Vögel mit langen spitzen Schnäbeln, Schmetterlinge, winzige Eidechsen, Mäuse, bunte Raupen, alles durcheinander. Ich bin fasziniert von diesem schönen Anblick. Ich gehe eine Eidechse streicheln, sie krabbelt mir die Handfläche hoch und auch wieder runter. Als ich mich umdrehe, steht da eine Art Pokal in schwarz und ich werde von jemandem, den ich nicht deuten konnte gebeten, ihn zu nehmen, er gehöre jetzt mir. Ich freue mich, es ist ein wunderschöner Pokal und ich beschließe, gleich Dinge darauf zu tun. Als erstes eine Kette. Alle sind beschäftigt mit den Tieren, die umher wuseln und so bekomme nur ich mit, wie sich der weiße Stein, der an der Kette hängt, plötzlich mit dem Pokal vereint und anfängt, rot und weiß zu leuchten. Daraufhin schreie ich, es soll doch mal jemand schauen, hier passiert was komisches. Ich fühle mich wie auserwählt, wie König Arthur, der Eskalibur aus dem Felsen zieht. Ich gehe einen Schritt zurück und jetzt löst sich der schwarze Pokal langsam auf. Es sieht so aus als ob er weg geätzt wird. Enttäuscht schaue ich dem Schauspiel zu. Schade, denn er war wirklich hübsch und das merkwürdige Erlebnis so kurz. Der Pokal steht auf einem Tisch, der nun auch verschwindet, ganz langsam. Durch das Holz schimmert es weiß. Erst bin ich wieder verwirrt, dann schaue ich genau. Ein Buch. Ein aufgeschlagenes Buch im Holz, was sich gerade frei kämpft. Ich sehe eine Handschrift und alte aber immer noch schneeweiße Seiten. Ich werde ungeduldig, will es lesen, will wissen, was das hier alles bedeutet. Der Tisch war plötzlich verschwunden, das Buch auch. Schon wieder ziehe ich eine traurige Mine und dreh mich weg, um mich abzulenken. Als ich mich zurückdrehe, sehe ich plötzlich, wie sich eine riesige Schrankwand von selbst aufbaut. Die ganze Zimmerwand entlang. Extrem altes Holz, alles knirscht und raunt dunkle Geräusche in die Luft. Ich bin fassungslos. Was soll denn das? Nach etlichen Versuchen der Schrankwand selbst, sich richtig zu platzieren steht da eine riesige Schrankwand in dem Zimmer, die aussieht, als wäre sie gemalt worden. Sie muss mindestens 200 Jahre alt sein. Mir fliegt aus der Luft ein Schlüsselbund entgegen. Die Schlüssel sehen geheimnisvoll aus, jeder von ihnen hat einen anderen goldenen Schlangenkopf als Griff. Sie wurden eindeutig handgefertigt und das vor langer langer Zeit. Nun schaue ich mir die Schrankwand genauer an und schließe zuerst die Tür rechts unten neben mir auf. Das Buch. Viele Zettel, kleine Holzkisten. Dann wach ich auf.

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